Farbraum, Farbmodell und die richtige Kalibrierung für die PS3
Dem einen oder anderen wird es beim Schmökern im PS3-Menü sicher schon aufgefallen sein, dass Sonys Konsole eine Vielzahl von Bildeinstellungen bietet. Besonders auffällig sind dabei zwei Punkte: „RGB-Bereich voll/ begrenzt“ und „Super-White“.
Die Namen klingen sehr verheißungsvoll, doch hier ist Vorsicht geboten! Entgegen der dem Bauchgefühl muss der RGB-Bereich begrenzt werden. Warum? Dazu muss ich etwas weiter ausholen:
Der RGB-Bereich bezeichnet einen Farbraum, der sich auf das RGB-Farbmodell bezieht. Ein Farbmodell beschreibt einfach ausgedrückt die Art und Weise, mit der Farben erzeugt werden. All diese Farben werden dann in einem für das Farbmodell spezifischen Farbraum dargestellt. Der Farbraum repräsentiert quasi die Leistungsfähigkeit eines Farbmodells. Beim RGB-Modell werden alle Farben aus drei Grundfarben (Rot, Grün und Blau) gemischt, es handelt sich um ein sogenanntes „additives Farbmodell“. Um eine Farbe zu mischen, wird dem Rot-, Grün- und Blauanteil jeweils ein Nummer zugeordnet, die sich im vollen RGB-Farbraum von 0 - 255 erstrecken kann. Schwarz hat den Wert 0 (würde also mit 0, 0, 0 gemischt werden) und Weiß den Wert 255 (255, 255, 255). Im begrenzten RGB-Bereich ist der Zahlenbereich eingeschränkter oder eben „begrenzter“, er erstreckt sich von 16 - 235. Schwarz wird also mit 16, 16, 16 und Weiß mit 235, 235, 235 dargestellt.
Blue Only Testbild für den Profi im Labor
In diesem Unterschied liegt das Problem. Im PC Sektor wird mit dem vollen RGB-Bereich gearbeitet, bei den meisten TVs mit der begrenzten Variante. HDTVs, die den vollen RGB-Bereich darstellen können, sind leider noch in der Minderheit. Wird nun selbiger an der PS3 eingestellt, obwohl der Fernseher diesen nicht unterstützt, kommt es zu einer falschen Farbdarstellung. Wie das? Euer Fernseher erwartet für die Darstellungen von Schwarz den Code 16, 16, 16 und für Grau z.B. 32, 32, 32. Eure auf RGB-voll eingestellte PS3 sendet dem Fernseher nun aber für Schwarz 0, 0, 0 und Grau 16, 16, 16. Schwarz bleibt zwar schwarz (alles unter 16 wird schlicht schwarz dargestellt), aus Grau wird so aber auch Schwarz. Dunkle Bildinhalte saufen ab, Details gehen verloren. Gleiches gilt natürlich auch für das obere Ende des Farbbereichs: Euer Fernseher erwartet für Weiß den Code 235, 235, 235 und für eine helle Mauer etwa 215, 215, 215. Die PS3 sendet für Weiß aber 255, 255, 255 und die helle Mauer 235, 235, 235. Das Bild überstrahlt, auf der Mauer sind keine Details mehr zu erkennen.
Natürlich sind nicht nur Anfang und Ende des Zahlenbereichs betroffen, sondern auch alles dazwischen verschiebt sich. Das äußert sich in subjektiv kräftigeren Farben, was auch der Grund ist, warum viele den vollen Bereich wählen. Er sieht auf den ersten Blick eben „voller“ aus. Lasst euch aber nicht täuschen, denn er ist was Details in dunklen und hellen Bildbereichen angeht tatsächlich „ärmer“. Der RGB-Bereich sollte also auf begrenzt gestellt werden, es sei denn, ihr seid im Besitz eines der wenigen Geräte, die den vollen Bereich korrekt darstellen können.
Mit „Super-White“ verhält es sich etwas anders, diese Einstellung ist an das YCbCr-Farbmodell gebunden. Die Herangehensweise zur Bilderzeugung ist beim YCbCr-Farbmodell eine komplett andere als bei RGB. Hier werden keine Farben gemischt, sondern sondern Bilder in die Grundhelligkeit und zwei Farbkomponenten gegliedert. DVDs und Blu-Rays nutzen ausschließlich dieses Farbmodell, Videospiele dagegen das RGB-Gegenstück. Euer HDTV rechnet intern YCbCr in RGB um und hält sich dabei strikt an den Zahlenbereich von 16 - 235. Es liegt also wieder der begrenzte RGB-Farbbereich vor, dementsprechend muss die PS3 auch für Blu-Rays auf „begrenzt“ gestellt werden.
„Super-White“ erweitert nun das YCbCr-Farbmodell nach oben und unten, es kann dadurch ein größeres Farbspektrum dargestellt werden. Allerdings nur, wenn ein entsprechendes Signal anliegt und der Fernseher diese Funktion unterstützt. Sony und Panasonic nennen dieses Feature auch „x.v.Colour“. Für Blu-Rays, DVDs und Spiele bringt diese Funktion rein gar nichts, da sie den erweiterten Farbraum nicht unterstützen. AVCHD-Aufnahmen, z.B. von Camcordern, profitieren allerdings von x.v.Colour und können dementsprechend auch mit der PS3 genutzt werden.
Was heißt das nun für eure PS3 Einstellungen?
Der RGB-Bereich sollte auf „begrenzt“ gestellt werden. „Super-White“ kann eigeschaltet werden, da es keinen Schaden anrichtet, auch wenn es vom Fernseher nicht unterstützt wird. Die Film- und Spielwiedergabe profitiert davon in jedem Fall nicht. Bei den Filmeinstellungen findet ihr einen Menü-Punkt zur Wahl des Videoausgangsformates für DVDs und Blu-Rays. Ihr könnt entscheiden, ob die PS3 das Bild fertig umgewandelt als RGB-Signal an den HDTV weitergibt oder unangetastet als YCbCr-Signal. Wählt hier „YCbCr“ , damit seid ihr auf der sicheren Seite.
Bildoptimierung mit Hilfe von Testbildern
Nach diesem theoretischen Exkurs können wir endlich zur Tat schreiten und uns mit dem TV Bild an sich beschäftigen. Zur Bildeinstellung empfehle ich die kostenlosen Full HD Burosch-Testbilder, welche es hier zum Download gibt: www.burosch.de Diese reichen fürs ambitionierte Heimkino mehr als aus und eignen sich perfekt für den Einsteiger. Nachfolgend werde ich euch jedes Bild erklären und eine Anleitung geben, wie es zu benutzen ist.
Stellvertretend für die vielen Referenz Testbilder möchte ich hier kurz einige Erläuterungen zu verschiedenen Testbildern geben, die auf der "Professional Blu-ray Disc for Visual Analysis and Calibration" von Burosch Audio-Video-Technik sind.
Je nach Anwendungsprofil muss der Techniker nicht nur statische Testbilder, sondern auch dynamische Video Testsequenzen einsetzten, um die Bildqualität zu perfektionieren bzw. zu vergleichen.
Die absolut entscheidende professionelle Eigenschaft bei Testbildern ist, dass das eigentliche Quellmaterial bekannt ist ( Zertifizierung bzw. Rückführbarkeit ) und nur somit die wirklich objektive Referenz ist.
Grey Values / Grautreppen Testbild

Burosch Testbild: Grautreppe für die Helligkeits- und Kontrasteinstellung
Mit dem sogenannten "Grautreppenbild" solltet ihr beginnen. Hier geht es darum, den optimalen Kompromiss zwischen Helligkeit (wie schwarz ist Schwarz) und Kontrast (wie weiß ist Weiß) zu finden. Regelt die Helligkeit eures Displays so weit nach oben, bis alle Graustufen einwandfrei zu erkennen sind und die letzte Stufe möglichst schwarz erscheint. Die hinteren Graustufen dürfen allerdings nicht im Schwarz absaufen! Nun muss der Kontrast so eingestellt werden, dass die erste Stufe weiß erscheint. Auch hier dürfen die vorderen Reihen nicht im überstrahlenden Weiß untergehen und alle Quadrate sollten sichtbar bleiben.
Es gilt den richtigen Mittelweg aus Helligkeit und Kontrast zu finden, damit möglichst kein Detail untergeht. Schwarz muss tief bleiben, Weiß strahlen - aber ohne, dass darunter die Bilddifferenzierung leidet. Versucht einfach, dem Ideal so nahe wie möglich zu kommen.
AVEC Testbild

Burosch AVEC Testbild
Zu guter Letzt das berühmte AVEC-Testbild zur Kontrolle eurer Einstellungen. Hier werden eurem Display alle kritischen Bildinhalte auf einmal vorgesetzt und jede Schwäche offen gelegt. Die Pfeile an den Bildrändern zeigen darüber hinaus, ob euer Fernseher das Bild beschneidet (Overscan) oder pixelgenau darstellt. Die Linienmuster in der Bildmitte dienen erneut der Schärfekontrolle, jede Linie muss klar und perfekt durchgezeichnet erscheinen.
Technische Dokumentation: AVEC Audio Video Equipment Check D.pdf
Realbild: Frauen

Frauen Testbild
Dieses Testbild eignet sich hervorragend zur Farbeinstellung. Konzentriert euch zunächst auf die drei Farbreihen unten im Bild. Rot, Grün und Blau werden Schrittweise immer kräftiger, der Verlauf darf allerdings nicht fließend sein. Vielmehr muss jede einzelne Farbabstufung sichtbar werden und sich klar abgrenzen. Überstrahlen in angrenzende Stufen ist unerwünscht. Im Idealfall seht ihr drei Farbtreppen, deren Abstufungen jeweils klar zu unterscheiden sind. Hier muss also am Farbregler eures Fernsehers geschraubt werden. Die beiden Damen in der Bildmitte helfen euch dabei, eine natürliche Farbgebung zu finden. Ebenso könnt ihr anhand der beiden Balken an den Bildseiten kontrollieren, ob Weiß oder Grau einen Farbstich haben und wie gut die Stufen differenziert werden - sprich: ob ihr beim vorherigen Testbild gute Arbeit geleistet habt. Im Gegensatz zu den anderen Farb- bzw. Graustufen in diesem Testbild muss die Graustufe oben im Bild fließend und ohne sichtbare Abstufungen verlaufen.
Technische Dokumenation zu unserem Realtestbild: Jasmin und Sabrina.pdf
Pixel Cropping Testbild
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Pixel Cropping Testbild für Overscan Kontrolle
Technische Dokumentation: Pixel Cropping Testbild
Pixel Cropping deutsch.pdf
Damit sind die Bildeinstellungen beendet. Macht nun den Praxistest und probiert euren „neuen“ HDTV aus. Spiele, Blu-Rays, Fernsehen - das Bild muss jetzt rundum überzeugen.
Alle Testbilder sind auch auf der "Professional Display Tuning Full HD Blu-ray Test Disk" - diese ist in unserem Shop www.burosch.de erhältlich inklusive ausführlicher technischer Dokumentation.
Viele weitere Infos dazu finden Sie auf www.burosch.de
